6 Zeichengrundlagen zum Zeichnen lernen & verbessern

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Lesezeit: 14 Minuten
Egal, ob du neu zeichnen lernen oder dich zeichnerisch verbessern möchtest: in diesem Post erfährst du die 6 Zeichengrundlagen, auf die es wirklich bei jedem Motiv ankommt.

 

Auch, ob du digital oder analog zeichnest, spielt hierbei keine Rolle. Diese Zeichengrundlagen gelten für jedes Medium, jedes Motiv und jedes Level.

 

Dies ist ein Ausschnitt aus meinem kostenlosen »Zeichner-Kit« Online-Kurs, in den du dich gern hier einschreiben kannst.
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Zeichengrundlagen – Überblick

Was sind denn jetzt eigentlich diese ominösen Zeichengrundlagen?


Sie sind es, die dir helfen, die Vereinfachung der Realität zu meistern, also genau das, was du lernen willst, wenn du zeichnen lernen möchtest. Das heißt gleichzeitig auch: Wenn du diese Grundlagen lernst, wirklich richtig lernst, kannst du ALLES zeichnen und nicht nur Blumen oder Menschen oder irgendein spezifisches Motiv. 


Weil dann hast du die Konzepte hinter allem verstanden und kannst sie übertragen. Wenn du nur Schritt-für-Schritt Anleitungen lernst, wie man etwas nachzeichnet, nicht aber, was dieses Etwas ausmacht, wirst du nie richtig zeichnen lernen. Das wäre wie jemand, der behauptet lesen gelernt zu haben zu haben, aber dann sagt, dass er eigentlich nur Bedienungsanleitungen und Einkaufsbons lesen kann, nicht aber Romane oder andere Schriftwerke. Entweder du hast die Grundlagen gelernt und begriffen oder nicht. Das gilt für alle Fähigkeiten und so auch beim Zeichnen.


Ich persönlich definiere 6 Grundlagen. Persönlich heißt: So gut wie jeder erfahrene Künstler hat seine eigene Formulierung und Anzahl. Manche trennen eine Grundlage mehr von der anderen und haben damit scheinbar mehr Grundlagen. Manche nennen weniger oder bezeichnen sie anders. Im Endeffekt sind es aber immer die selben und sie fließen auch teilweise ineinander. Hier lernst du also meine Sicht der Dinge, die aber, würde ich behaupten sehr gut durchdacht ist:
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Zeichengrundlagen – Im Detail

1) Sehen

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»Sehen« ist die besondere Grundlage, denn es ist die Grundlage der Grundlagen wie erwähnt und sollte als Erstes gelernt werden. Konkret gemeint ist damit, dass du lernst, Proportionen richtig wahrzunehmen und weg vom »falschen« symbolhaften Zeichnen aus deiner Kindheit kommst. Sprich, du lernst Linien, Abstände, Ausrichtungen und Winkel richtig einzuschätzen, wenn nicht sogar zu messen und dann auf dein Papier zu projizieren. 


 
Auch der innere Flow bzw. Rhythmus einer Form oder eines Objektes (im Englischen als „Gesture“ bezeichnet) ist hier mit enthalten. Denn wenn du diesen Rhythmus nicht zuerst mit einfängst, wirken deine Zeichnungen später steif und konstruiert, egal wie gut du die anderen Zeichengrundlagen sonst beherrschst. 
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    Zusammengefasst: Lerne zu zeichnen, was du siehst und nicht, was du denkst zu sehen.


    Wenn du lediglich reines Abzeichnen lernen möchtest, dann genügt bereits diese Grundlage. Sobald du mehr eigene Ideen umsetzen bzw. von den Vorlagen abweichen möchtest, musst du auch die restlichen 5 Grundlagen meistern.


    Diese bauen auf der Kern-Grundlage auf und helfen uns, nicht nur die Welt richtig zu sehen, sondern auch zu verstehen. Denn erst wer den Aufbau von Objekten wirklich verstanden hat, kann sie später auch ohne Abzeichnung auf Papier bringen, verändern oder zeichnerisch neue Objekte und Welten erschaffen. Da das Sehen aber eben die Kern-Grundlage ist, fließt sie auch in jeder dieser anderen 5 ein.

    2) Perspektive

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    Am aller wichtigsten ist dabei die von vielen gefürchtete Perspektive bzw. eben das Formverständnis. Doch sie macht am ehesten den Unterschied zwischen Anfänger- und Profi-Zeichnungen aus. Ziel ist es dabei ganz konkret, dass du jedes Objekt gedanklich im 3D Raum anders drehen, positionieren und verformen kannst, wie du möchtest. 


    Da viele Objekte aber viel zu komplex sind, um sie auf einmal im Ganzen zu zeichnen, geht es vor allem zunächst darum, Objekte vereinfachen zu lernen, auch damit du sie dir für freieres Zeichnen besser merken kannst. Stell dir einmal vor, du müsstest ein Auto aus dem Kopf zeichnen. Ziemlich überfordernd, oder? Aber wenn du es zuerst in einfache geometrische Formen zerlegst, sind die Details am Ende nur genau das: Details, die du on top hinzufügst. Die eigentliche Zeichenkunst liegt aber eben in der Vereinfachung bzw. der Karrosserie als Grundgerüst und nicht im Lack. Und das gilt sowohl für technische Objekte wie das Auto, als auch für organische wie Menschen.
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    Oder nochmal anders formuliert: Du kannst noch so schöne Details zeichnen, wenn dein Grundgerüst nicht stabil, sprich perspektivisch und proportional inkorrekt ist, wird alles visuell auseinander fallen und zeichnerisch ungelenk wirken. Beim Beispiel Mensch: Du kannst noch so ein schönes Auge zeichnen, wenn es an der falschen Stelle in der falschen Perspektive ist, wird dein Bild nicht funktionieren.


    Und ja, um Perspektive zu lernen, dafür braucht es erstmal etwas etwas Theorie mit Fluchtpunkten und dergleichen und viel Konstruktion. Und ja, viele Anfänger drücken sich dann davor, weil das natürlich erst einmal etwas die Freude am sonst freien Zeichnen nimmt. Hier kann ich aber nur sagen: Bleib unbedingt dran! Denn diese Konstruktionen sind nur am Anfang schwer bzw. überhaupt nur am Anfang komplett notwendig. Je länger du übst, desto weniger wirst du all das benötigen. Es ist wie mit einem Fahrrad. Am Anfang brauchst du noch Stützen, aber irgendwann hast du die Technik verinnerlicht, sodass du sie nicht mehr brauchst bzw. nicht mehr in dem Ausmaß. Bitte glaube mir! Ich habe diese wichtige Grundlage auch viel länger als notwendig vor mir hergeschoben und so meine Entwicklung drastisch behindert. Ich sage dir das alles, damit du nicht den gleichen Fehler machst und schneller lernen kannst.

    3) Licht & Farbe

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    Damit ist gemeint, wie Objekte beleuchtet sind, sodass sie eine ganz bestimmte Helligkeit, Sättigung und Farbe haben und mit diesen Werten auch in Form von Schatten oder reflektierten Licht mit ihrer Umgebung interagieren und diese beleuchten oder umfärben. 


    Dabei sind es jedoch vor allem die Helligkeitsunterschiede (»values« im EN) oder eben die Schattierung, die für uns ein Objekt überhaupt erst sichtbar macht und uns seine Formen offenbart. Erst die Trennung von Licht- und Schattenseiten macht eine Zeichnung eines Objektes plastisch. Bestimmte Farben fügen dann noch mehr Emotionalität, Realismus und Lebendigkeit hinzu, sind aber nicht zwingend notwendig. Ein Bild muss in schwarz-weiß Werten lesbar sein, sonst funktioniert es in Farbe erst recht nicht.
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    Mit diesen drei Grundlagen Sehen bzw. Wahrnehmung; Perspektive & form und Licht & Farbe hättest du schon den größten Teil geschafft und solltest in der Lage sein, die meisten Dinge gut zu zeichnen. Die anderen drei Zeichengrundlagen sind dann wichtig, wenn du dich noch weiter verbessern möchtest bzw. je nach Motiv können sie auch noch eine größere Rolle spielen.

    4) Anatomie

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    Zum Beispiel Grundlage Nummer 4 »Anatomie« betrifft den detailierten inneren Aufbau von Objekten. Meistens bezieht sich das auf den Aufbau des menschlichen Körpers. Gerade wenn du Menschen zeichnen lernen möchtest, was die meisten Zeichner wollen, solltest du also nicht nur den Körper als Ganzes grob vereinfachen können, sondern eben auch das Skelett, die einzelnen Knochen und Muskeln verstehen lernen. Denn erst dann kannst du so etwas komplexes wie den Menschen wirklich glaubwürdig zeichnen, da es sich um organische Formen handelt, die jeweils einzelne Funktionen haben und mit diesen je nach Fitnessgrad und Position ihre Form verändern. Je mehr du darüber weißt, desto mehr kannst du frei aus deinem Kopf zeichnen und eigene Charaktere erfinden.


    Das Tolle ist aber auch: Wenn du einmal die menschliche Anatomie gelernt hast, wird dir nicht viel fehlen, um Tiere zeichnen zu können und umgekehrt, da wir viele anatomische Gemeinsamkeiten haben. Und keine Angst. Du musst nicht wirkliche ALLE Teile des Körpers lernen und sozusagen Medizin studieren. Es geht vor allem um die äußeren Muskeln und die Knochen. Innere Organe spielen eigentlich keine Rolle, es sei denn du möchtest so etwas wie Zombies oder dergleichen zeichnen. Wenn es dir Spaß macht: nur zu. Es gibt quasi keine Grenzen. Aber du musst eben auch nicht so weit gehen.


    Und zuletzt möchte ich noch sagen, dass es eben nicht nur um die Anatomie von Lebewesen geht bei dieser Grundlage, sondern generell zu allen Dingen. Willst du eine Sache wirklich perfekt zeichnen lernen, musst du sie von Grund auf verstehen: Ihren Aufbau und ihre Funktionsweise gleichermaßen. Wenn du also beispielsweise Autos zeichnen lernen möchtest, lohnt es sich, auch die Anatomie dahinter zu lernen, sprich sich Mechaniker-Wissen anzueignen und zu lernen, was die einzelnen Herstellungsschritte sind, wie der Aufbau mit Motor, Karosserie und dergleichen ist, wie es fahren kann etc. Klingt vielleicht erst einmal nach viel Arbeit, aber wenn du eine Sache wirklich lernen willst, wird dir das ganz sicher Freude bereiten und über das Zeichnen wirst du die Welt besser verstehen lernen, was die eigentliche Schönheit an dieser Kunst ist, wie ich finde.

    5) Material & Textur

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    Die vorletzte Zeichengrundlage bezeichne ich als »Material & Textur«, denn neben unterschiedlichen Farben hat jedes Objekt auch eine unterschiedliche Oberflächenstruktur. Da diese aber nicht immer zwingend notwendig ist bei überzeugenden Zeichnungen, stelle ich sie getrennt von Licht und Farbe bzw. der Schattierung. Oder anders formuliert: du kannst einen schattierten Ball haben, der bereits ohne spezielles Material als Zeichnung funktioniert. Das Material bzw. die Textur gibt uns dann aber noch mehr Informationen über das Objekt, erzählt damit oft eine Geschichte und macht die Zeichnung detailreicher und interessanter. Ist der Ball beispielsweise stark reflektiv, metallisch oder eher matt? Transparent oder opak? Ist er grob strukturiert, hat er vielleicht ein Muster oder andere besondere Oberflächenmerkmale, die mir mehr über die Geschichte des Balls verraten? Usw.

    6) Konzept & Design

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    Und das bringt mich auch schon zur letzten Zeichengrundlage, die auch nochmal etwas gesondert für sich steht, nämlich „Konzept & Design“. Darunter verstehe ich einerseits die Komposition, also wie die Objekte und anderen Merkmale in einer Zeichnung angeordnet bzw. designt sind und andererseits mit der Idee die Geschichte, die du mit deinem Bild erzählen möchtest oder verbindest – das Konzept dahinter. 
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    Diese Dinge möchtest du optimieren, um den idealen Eindruck beim Betrachter zu hinerlassen, damit er dein Bild ansprechend findet, es aber auch richtig »liest«. Stichwort Bildführung. Denn wenn man eine Geschichte in zum Beispiel Form einer Illustration erzählen möchte, ist es wichtig zu definieren, wo der Fokus des Bildes liegen soll, also zwischen Haupt- und Nebenelementen zu unterscheiden. Wenn es diese Trennung und einen oder mehrere Fokuspunkte nicht gibt, wirkt das Bild chaotisch und die Geschichte darin lässt sich nicht begreifen. Bei einer gut durchdachten Komposition ist genau das Gegenteil der Fall: Die Geschichte, die Idee hinter dem Bild wird besser lesbar und alles wirkt harmonischer.

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    Und damit hättest du jetzt auch schon alle Zeichengrundlagen kennengelernt. Wenn du diese zuerst einzeln und dann in Kombination lernst und immer und immer wieder übst, wirst du dich auf jeden Fall zeichnerisch verbessern bzw. das Zeichnen überhaupt erst einmal lernen wie beschrieben.

     

    Das heißt, diese Grundlagen sind es am Ende auch, die den nahezu alleinigen Unterschied zwischen Anfänger, Fortgeschrittenen und Profis ausmachen. Ein eigener Stil und bestimmte Zeichentechniken je nach Motiv und Medium sind dann eher Nebensache.

     

    Denn diese 6 Grundlagen helfen dir dabei, die Realität zu verstehen und zu vereinfachen und damit in deiner visuellen Biliothek abzuspeichern.
    So bist du in der Lage Symbole zu entwickeln, die eben nicht dem interpretierendem Denken von Kinderzeichnungen nachempfunden sind, sondern dem verstehenden Sehen des professionellen Zeichners. Oder in anderen Worten: Du entwickelst das Auge des Künstlers. Dein ultimatives Ziel.
     
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    Denn dieser Beitrag war ein kleiner Ausschnitt davon und im Kurs erwarten dich noch viel mehr hilfreiche Tipps und Anleitungen.
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    Mit welcher Zeichengrundlage hast du noch die meisten Probleme?

     

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