Warum du mit 80% der Zeichenbücher NICHT zeichnen lernst

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Lesezeit: 21 Minuten
In allen Kreativbereichen von Buchhandlungen findest du mindestens eines oder mehrere von ihnen im Regal: Zeichenbücher. Doch was taugen sie wirklich?

 

Ich bin nämlich überzeugt, dass du mit dem Großteil dieser Zeichenbücher nicht zeichnen lernst und sie dich sogar eher in deiner kreativen Entwicklung bremsen, wenn du es wirklich ernst meinst mit dem Zeichnen lernen.

 

Warum genau das so ist erkläre ich dir anhand eines konkreten Beispiels mit dem Zeichenbuch »Die Kunst des Zeichnens«* vom TOPP-Verlag, welches ich für diesen Beitrag einmal genauer analysiert habe.

 

Außerdem zeige ich dir in diesem Beitrag, welche Bücher und alternativen Wissensquellen du stattdessen nutzen kannst, um wirklich zeichnen zu lernen.

 

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Grund 1 — Motive anstatt Konzepte

Lass mich eine Sache zunächst klarstellen: Zeichnen lernen ist nicht gleich Zeichnen lernen. Für freies Zeichnen – nämlich wenn du eigene Ideen zu Papier bringen möchtest (ohne konkrete reale Vorlage) – benötigst du weitaus mehr Übung und spezielleres Wissen als wenn du eine Vorlage versuchst lediglich exakt abzuzeichnen bzw. zu kopieren. Freies Zeichnen ist sozusagen das nächste Level vom Abzeichnen.

Zeichnen vs. Abzeichnen

Doch bei den meisten Zeichenbüchern wird diese Unterscheidung nicht getroffen bzw. handelt es sich eher um Zeichenbücher zum »Abzeichnen« lernen.

 

Und genau da liegt der Knackpunkt. Verstehe mich nicht falsch. Abzeichnen zu lernen ist eine der notwendigen Voraussetzungen, um auch frei Zeichnen zu lernen. Sprich, du wirst erst gute imaginative Zeichnungen erstellen können, wenn du auch in der Lage bist, Vorlagen akkurat abzuzeichnen, oder anders formuliert: Erst wenn du »richtig sehen gelernt hast«, kannst du auch zeichnerisch darstellen, was du nur in deinem Kopf siehst.


Aber Abzeichnen ist eben nur ein Teilaspekt dafür und selbst dieser wird in den meisten Zeichenbüchern nicht ausreichend erklärt.
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Denn meistens heißt es lediglich so oder so ähnlich »für den Körper des Objektes zeichnest du jetzt einen Kreis und dann zeichnest du hier und da noch eine Linie für XY«. So ist beispielsweise auch das komplette Buch »Die Kunst des Zeichnens«* – eines der bekanntesten deutschen Zeichenbücher aufgebaut. Im Ansatz richtig (Formen zu vereinfachen ist wichtig beim Zeichnen lernen), aber die wichtigsten Zeichengrundlagen fehlen oder sind nicht ausreichend erklärt.

 

Zum Beispiel wird richtig erklärt, dass man jedes Motiv am besten in einfache geometrische Formen vereinfacht. Aber wie genau funktioniert diese Vereinfachung? Wie zeichnet man beispielsweise exakt eine Box, einen Zylinder oder eine Kugel korrekt in Perspektive und vor allem wann in welcher (1-,2-,3-,Mehrpunkt-Perspektive) und wie verändert man diese Grundformen, dass sie den Motiven mehr entsprechen? Im Buch nur oberflächlich angerissen und teils sogar schlichtweg falsch erklärt.
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Ein weiteres Zitat aus dem Buch: »Betrachten sie jede Weinbeere als eine Kugel. Zeichnen sie bei jeder den Bereich ein, der im Schatten liegt, dann den Schatten, den jede Beere auf die anderen wirft.« So weit so gut. Immerhin wird schon einmal darauf hingewiesen, dass man auch beim Schattieren in Volumen denken muss. Aber auch hier ist der Rest schwammig formuliert. Denn wichtig zu wissen wäre, wie ich erkenne oder besser noch definiere ich, welcher Bereich im Schatten liegt? Denn jeder Schatten beginnt auf Formen nur an einer ganz bestimmten Stelle – nämlich dem Terminator. Aber was es damit auf sich hat und generelles Lichtverständnis – all das wird nicht einmal angerissen.
Und als letztes Beispiel: ohne nämlich zu wissen, wie du konkret Proportionen erfassen, Formen vereinfachen, Winkel bestimmen, Linien und Abstände messen kannst etc., wirst du so selbst vorgegebene Motive mit Schritt für Schritt Anleitungen nicht exakt abzeichnen können – alles Dinge, die nicht in diesem Zeichenbuch und auch sonst selten erklärt werden. Ich konnte die Motive gut abzeichnen, da ich mich nicht auf die Erklärungen, sondern auf mein Vorwissen verlassen habe.

 

Das heißt zusammengefasst, mit den meisten Zeichenbüchern lernst du lediglich ganz bestimmte Motive in einer ganz bestimmten Ansicht abzuzeichnen und das oft auch nur mehr schlecht als recht.

 

Sobald du allein schon das selbe Motiv in einer anderen Perspektive zeichnen möchtest, wirst du dazu nicht in der Lage sein – ganz zu schweigen von anderen Motiven.

Freies Zeichnen lernen

Um daher wirklich zeichnen zu lernen, um einerseits akkurat Motive abzuzeichnen und auch frei eigene Motive zu zeichnen, solltest du dich viel eher auf die tatsächlichen Zeichengrundlagen fokussieren. Oder anders gesagt: Lerne die grundlegenden Konzepte hinter dem Zeichnen anstatt einzelne Motive abzuzeichnen – so wirst du später in der Lage sein, ALLE möglichen Motive zu zeichnen und eben nicht nur einen Baum in nur genau dieser einen Perspektive. Und ganz wichtig: das gilt für alle Anwendungen: Egal, ob du traditionell oder digital, realistisch oder stilisiert zeichnen lernen möchtest – die Zeichengrundlagen sind immer der Schlüssel und es sind auch immer die gleichen.

 

Ein Beitrag ist bereits in Arbeit, in dem du mehr zu den einzelnen Zeichengrundlagen erfährst (abonniere gern meinen Newsletter, um diesen nicht zu verpassen).
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Was ist dein Ziel?

Natürlich stellt sich hier die Frage: Wie weit möchtest du gehen? Vielleicht willst du auch nur ganz bestimmte Motive abzeichnen ohne großen Wert auf Präzision zu legen – zum Beispiel zur Entspannung, Meditation, um einen netten Partytrick zu haben oder um einmal zum Beispiel eine Grußkarte etwas mehr als üblich verschönern zu können. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Dann musst du auch gar nicht weiter gehen.


Ich erstelle immerhin hin und wieder auch selbst ähnliche Tutorials für derartige, entspannte Zwecke. Was mich stört ist aber die Irreführung. Es wird versprochen, dass man mit diesen Büchern zeichnen lernt, obwohl das wie beschrieben so nicht möglich ist, sondern nur das Abzeichnen von ganz bestimmten Motiven. Sehr wahrscheinlich können sogar nur Fortgeschrittene mehr aus solchen Zeichenbüchern ziehen, da sie eher nach konkreten Spezialtechniken Ausschau halten oder sie zur Inspiration für Motive und andere Stile nutzen. Ich habe mir beispielsweise hier auch eher angeschaut, wie ich einzelne Oberflächenmerkmale auf andere Weise vereinfachen kann mit alternativen Schraffurtechniken – aber richtig Schattieren und Schraffieren konnte ich bereits vorher und habe ich nicht durch derartige Bücher gelernt.
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Dir sollte also bewusst sein, wenn du wirklich ein guter Zeichner werden willst, werden dir solche Zeichenbücher nicht weiterhelfen, wenn sie dir nicht gleichzeitig die Zeichengrundlagen vermitteln.

Wenn du immer noch nicht überzeugt bist, kannst du Zeichen lernen gut mit dem Lernen der folgenden Fähigkeiten vergleichen:
  • Um Schreiben zu können, musstest du auch zuerst die einzelnen Buchstaben lernen, die wiederum zusammen Worte bilden und in Sätzen mit korrekter Grammatik eine ganz bestimmte Botschaft vermitteln. Du hast erst die Konzepte deiner Sprache bzw. des Schreibens gelernt, bevor du mit diesen Konzepten Texte verfassen konntest. Sicherlich hättest du auch die ein oder andere Sache gelernt, wenn du direkt nur ganze Sätze versucht hättest du kopieren – ohne Wissen über Grammatik und die Übung der einzelnen Buchstaben. Aber wäre das effektiv gewesen und hättest du wirklich Schreiben gelernt? Wohl kaum. Und das kannst du nahezu 1 zu 1 auf das Zeichnen übertragen. Ohne die Konzepte, die Zeichengrundlagen zu lernen, wirst du auch nicht richtig zeichnen lernen.

  • Andere Beispiele: Songs nachspielen zu lernen macht dich nicht zum Pianisten. Ein Ikea-Regal nach Anleitung aufbauen zu können, macht dich nicht zum Schreiner. Und Malen nach Zahlen oder Motive Schritt für Schritt nachzuzeichnen macht dich eben nicht zum Künstler bzw. Zeichner.
Also, merke dir zusammengefasst: Konzentriere dich beim Zeichnen lernen auf das Lernen der Konzepte bzw. Zeichengrundlagen anstatt auf das Abzeichnen von einzelnen Motiven bzw. nutze einzelne Motive eher nur, um an ihnen eben die Konzepte zu studieren.

 

Grund 2 — Motorischer Skill

Darf ich dich etwas fragen? Wie hast du Fahrrad fahren, Auto fahren oder irgendeine Sportart gelernt? Hast du nur darüber gelesen oder hast du es nicht viel eher von anderen gezeigt bekommen, abgeschaut bzw. direkt selbst ausprobiert und mit Büchern diese Skills, wenn überhaupt, eher verfeinert?


Vielleicht fragst du dich jetzt, was das Zeichnen lernen damit zu tun hat. Denn ja, das alles sind unterschiedliche Fähigkeiten und ja, beim Zeichnen lernen musst du viel Kopfarbeit leisten und wie beschrieben die Zeichengrundlagen verstehen. Du musst deutlich mehr mental lernen als für die zuvor genannten Fähigkeiten. Aber eine Sache wird oft vergessen: Beim Zeichnen handelt es sich auch um eine ebenso motorisch ausgeführte Fähigkeit.


Das, was beim Zeichnen entsteht, bleibt nicht in deinem Kopf wie beim Kopfrechnen, sondern du nutzt deine Hand bzw. deinen Körper, um deine Gedanken auf das Papier zu übertragen. Zeichnen findet in Bewegung statt. Entsprechend gibt es auch dabei wichtige Bewegungsabläufe, Körper-, Zeichen- und Stifthaltungen, die du daher über das Lesen von Büchern allein nur schlecht erfassen kannst.
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Auch hier gilt: Verstehe mich bitte nicht falsch: Ich liebe Bücher über alles und GUTE Zeichenbücher sind eine wertvolle Wissensquelle, um dich zeichnerisch zu verbessern. Im Idealfall sollten sie aber nicht deine alleinige Wissensquelle bilden. Um wirklich zeichnen zu lernen, solltest du also mindestens auch über Video-Format einem Profi-Zeichner bei der Arbeit zuschauen – am besten live vor Ort oder online. So siehst du die Fähigkeit natürlich und damit richtig angewandt.


Zeichenbücher zeigen dir hingegen lediglich Ausschnitte aus diesem Prozess und das finale Resultat, was eben nicht nur wichtige Aspekte gänzlich außer Acht lässt, sondern auch den falschen Fokus vermitteln kann. Allein was das Zeitgefühl betrifft, wird oft so eher kommuniziert, das sich eine aufwendige Zeichnung mal eben in wenigen Minuten zeichnen lässt – man muss ja nur den Schritten 1 bis 5 folgen. Das demotiviert oft schnell oder führt dazu, dass gerade Zeichenanfänger schnell die Geduld verlieren und Zeichnungen schlechter werden als sie sein könnten.


Schlussendlich gilt aber für alle Wissensquellen: Nur Informationen aufzunehmen, reicht nicht, um eine Fähigkeit zu meistern. Wenn du wirklich zeichnen lernen möchtest, musst du wirklich viel zeichnen, reflektieren und mehr üben, als oft als Minimum in Büchern und Kursen empfohlen. Dein Können hängt also direkt von deinem praktischen Einsatz ab. Wer wenig macht, kann auch nur wenig. Wer hingegen viel und reflektiert zeichnet und vor allem auf lange Zeit dabei bleibt, der kann auch nur besser werden. Und das führt mich auch direkt schon zum letzten Grund, was mich an den meisten Zeichenbüchern stört…

Grund 3 — Falscher Fokus

Der letzte Grund bezieht sich nicht nur auf einen häufigen Fehler von Zeichenbüchern sondern auch auf ein starkes gesellschaftliches Problem der heutigen Zeit.

 

Viele möchten heute möglichst schnellen und leichten Erfolg bzw. Belohnungen. Sprich: Großer zeitlicher, finanzieller und persönlicher Einsatz wird möglichst vermieden und Konzentrationsspannen tendieren gegen Null. »Was? Ein 10 Minuten Video schauen, um etwas zu Lernen? Geht das nicht auch in einer und muss ich wirklich hinschauen oder kann ich nicht auch nebenbei etwas anderes machen?«

 

Allein, wenn du diesen Blog Post bis hier hin gelesen hast, zählst du schon zu den wenigen Leuten, die sich heute zumindest noch halbwegs konzentrieren können und wissen, dass Geduld für nachhaltigen Erfolg notwendig ist (mein Chapeau an dieser Stelle!).

Zeichnen lernen erfordert Geduld und Diszplin

Prinzipiell finde ich die Suche nach Effizienz und Optimierung eine prima Sache. Ich bin schließlich selbst einer der größten Befürworter der Selbstoptimierung. Wenn aber Vorhaben vermieden werden, weil es nicht »schnell oder leicht« genug geht, ist das meiner Meinung nach einfach nur eine erlernte Charakterschwäche. Klar, kann man jetzt sagen »da ist doch die Gesellschaft Schuld«, dass wir uns nicht mehr so gut konzentrieren können und diesen Fokus entwickelt haben. Das stimmt zu großen Teilen sicherlich auch, aber jeder ist für sein eigenes Glück verantwortlich und jeder kann erlernte negative Gewohnheiten mit persönlichen Einsatz umformen. Niemand muss ein Opfer seiner Umstände sein, aber viele wollen es bewusst oder unbewusst, weil es einfacher ist, als den Arsch hochzubekommen. Jap, das habe ich jetzt so geschrieben und werde ich auch nicht zurück nehmen. Ich musste mir selbst diesen Spiegel immer wieder vorhalten und muss es noch. Ja, es tut weh. Ja, es ist ein harter Prozess, zu lernen, sich selbst und die Umstände zu verändern. Aber es ist möglich und es ist vor allem die Wahrheit. Du kannst dich gern auch weiterhin belügen und anderen, der Gesellschaft, dem Wetter oder was auch immer die Schuld für deine Umstände und fehlende Fähigkeiten zuschreiben. Voranbringen und glücklich machen wird dich das aber definitiv nicht. Das soll keine Rüge sein, ich bin schließlich auch nicht perfekt. Aber nur außerhalb der Komfortzone findet Wachstum statt und vor dem damit verbundenen Schmerz darfst du eben nicht zurück schrecken, sonst kommst du nie vorwärts.
Um jetzt aber wieder auf das eigentliche Thema zurückzukommen: Viele Zeichenbücher vermitteln leider ebenso genau diesen falschen Fokus und schlechte Gewohnheiten. Das beginnt oft schon in den Titeln wie »In X Wochen zeichnen lernen« oder was ich auch schon einmal gelesen habe »Zeichnen lernen an einem Tag«.
Na klar. Und ich bin die Zahnfee. Im Ernst: Zeichnen lernen passiert NICHT von heute auf morgen. Klar, wenn du, wie zuvor beschrieben nur einmal ein Motiv fix abzeichnen möchtest, kann 1 Tag genügen. Um aber wirklich die Fähigkeit zu meistern, wirst du nicht drum herum kommen, Wochen, Monate, wenn nicht sogar Jahre zu investieren. Mit entsprechend guten Wissensquellen kannst du sicherlich dein Zeitinvestment verringern, um ein gewisses Skill-Level zu erreichen, aber selbst dann sind es eher mehrere Monate anstatt einige Tage oder Wochen.

 

Ich verstehe natürlich, dass es sich hier oft auch einfach um Marketing-Maßnahmen handelt. »In X Wochen zeichnen lernen« klingt ansprechender als »Nachhaltig zeichnen lernen über einen längeren Zeitraum«. Logisch. Aber oft wird das eben auch nicht genügend im Innenteil oder in den Beschreibungen der Bücher erklärt. Nein, es bleibt bei den »Zeichne mal dieses Hunde-Porträt und diesen Menschen ab und dann kannst du zeichnen«. Es werden falsche Hoffnungen gesetzt und mit fehlenden Erklärungen zu den Zeichengrundlagen auch der falsche Fokus gesetzt.

 

Und abgesehen davon solltest du selbst aber auch nicht den Anspruch an dich stellen, Zeichnen in einer bestimmten Zeit zu lernen. Richtig »fertig lernen« wirst du die Fähigkeit ohnehin nicht, aber vor allem solltest du aus Freude an der Sache selbst lernen. Es klingt klischeehaft, ist aber so entscheidend: Der Weg sollte zu deinem Ziel hierbei werden. Wenn dir das Zeichnen lernen an sich keine Freude bereitet, lass es lieber gleich. Dann fehlt dir schlichtweg die Motivation für die Disziplin, um langfristig dabei zu bleiben. Zeichnen ist nichts für diejenigen, die auf schnelle Belohnungen hoffen. Selbst wenn du einmal die wichtigsten Grundlagen beherrschst, benötigen gute Zeichnungen einfach oft mehrere Stunden oder sogar Tage für die Fertigstellung. Wenn überhaupt ist Zeichnen also eher etwas für diejenigen, die entschleunigen und sich in Meditation und Geduld üben möchten.

 

Hinzu kommt, dass Zeichenschritte an sich auch einfach oft falsch in den Zeichenbüchern dargestellt werden, wie in diesem Buch leider auch: Es werden nicht Prozessbilder gezeigt von einer Zeichnung (wie die jeweilige Zeichnung wirklich entstanden ist), sondern jeder Schritt wurde oft neu gezeichnet. Das ist gut erkennbar, wenn man genau hinschaut: Hauptlinien sind immer anders und das führt zu Verwirrung bei Zeichnern, die wirklich auf Präzision beim Abzeichnen achten. (Ich wollte dem Ganzen beispielsweise auch eine Chance geben und den Schritten genau folgen, war aber schnell frustriert, weil sich bereits fest definierte Linien über die Schritte hinweg immer wieder änderten, weil es eben nie auf den bisherigen Linien aufgebaut wurde).
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Falsche Darstellungen

Ein wichtiger Aspekt wird in diesem Rahmen zum Beispiel auch überhaupt nicht erklärt im Buch, was für Zeichenanfänger aber unheimlich wichtig ist: Der erste Schritt der Konstruktions- bzw. Kompositionsskizze, der die groben Proportionen des Motivs festhält, sollte in 99% der Fälle viel heller und leichter gezeichnet werden – so hell, dass die Linien später nicht mehr sichtbar oder aber leicht wegradiert werden können. Denn diese Skizzen dienen lediglich als grobes Gerüst und zur Orientierung, auf die die eigentlichen Details und sauberen Linienzeichnungen kommen. Zeichnen ist ähnlich dem Malen mit Wasserfarbe, ein eher transparenter und aufeinander aufbauender Prozess. Wenn du präzise Zeichnen möchtest, wirst du erst zum Schluss hin deckender in deiner Zeichnung. Nur bei expressiven Zeichnungen wird diese Regel gebrochen und auch gern einmal direkt deckend gezeichnet. Im Buch sind diese ersten Skizzen aber oft bereits stark deckend abgebildet – sicherlich zur besseren Erkennbarkeit, aber das entspricht eben oft nicht der Realität – zumindest beim präzisen Zeichnen. So wird auch hier wieder eine falsche Gewohnheit vermittelt.
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Schließlich muss ich leider auch sagen, dass viele Zeichenbücher auch einfach keine tatsächlichen Profi-Zeichnungen zeigen bzw. die Zeichnungen selbst oft noch Fehler beinhalten. Gerade Menschen sind schwere und spezielle Motive und da würde ich mir persönlich lieber einen Experten suchen, der sich wirklich auf das Zeichnen von Menschen fokussiert anstatt auf einen Autor, bei dem man erkennt (zumindest mit geübten Auge), dass er selbst noch grobe Fehler macht. Beim Beispiel-Buch »Die Kunst des Zeichnens« stimmen beispielsweise die Proportionen einiger Kopfzeichnungen nicht. Es finden sich klassische Anfängerfehler wie Augen in falscher Perspektive. Anfängern mag das nicht auffallen, umso schwerwiegender der Fehler, da gerade Anfänger genau auf die Linien schauen, da sie sich ja versuchen die Linien einzuprägen anstatt die Zeichengrundlagen zu lernen. Ein Teufelskreis.
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Fazit — Zwei Arten Zeichenbücher

Zusammenfassend solltest du dir vor dem Kauf eines Zeichenbuchs genau überlegen, was dein kreatives Ziel ist: Möchtest du lediglich einzelne Motive abzeichnen oder zeichnerische Grundlagen lernen, um jedes Motiv frei zeichnen zu können?

 

Beides hat seine Berechtigung und es ist vollkommen ok, wenn du „nur“ abzeichnen möchtest und das auch nicht sonderlich präzise. Denn das bringt am ehesten Entspannung und Spaß und du lernst einen netten Partytrick. Du kannst den Stress des Alltags vergessen, musst nicht viel überlegen, da die Motive und Schritte vorgegeben sind und du kannst fast meditativ im Abzeichnen versinken. Das kann also ungemein wertvoll für deine mentale Gesundheit sein. Meiner Meinung sollten deshalb auch Profis immer einmal wieder das reine Abzeichnen in ihren Zeichenalltag integrieren. Demnach sind Zeichenbücher wie »Die Kunst des Zeichnens«* nicht per se schlecht, sondern bieten dir mit ihren Schritt für Schritt Anleitungen für diesen Zweck gute Wissens- und Inspirationsquellen.

 

Hier einige Zeichnungen von mir nach Beispiel des Buches:
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Wenn du hingegen wirklich zeichnen lernen möchtest, also wirklich eine Fähigkeit daraus entwickeln möchtest, solltest du von dieser Art Zeichenbücher Abstand halten. Dafür machen sie falsche Versprechungen. Du lernst richtiges Zeichnen nur durch das Meistern der Zeichengrundlagen, die in den meisten dieser Bücher nicht bzw. unvollständig oder sogar falsch besprochen werden sowie mit entsprechenden Zeiteinsatz deinerseits.
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Insgesamt gebe ich dem Zeichenbuch »Die Kunst des Zeichnens«* daher abschließend 3 von 5 Sternen (als Abzeichen-Buch / für Zeichnen lernen 1 von 5). Von den Zeichenbüchern, die das »Abzeichnen« lehren ist es meiner Meinung nach eines der besten, jedoch wird selbst da nicht einmal das Abzeichnen an sich vollständig bzw. gut erklärt. Die Masse der Beispiele, die Qualität der meisten Bilder  und spezielle Schraffurtechniken machen das zum Teil aber wieder etwas wett.

 

Fazit: Für Amateur/Hobbyzeichner ein nettes Buch zum entspannten Abzeichnen, für ambitionierte Zeichner (entgegen der Versprechung) jedoch eine schlechte Wissensquelle.


Also, was möchtest du – Entspannung oder Skill? Oder vielleicht sogar beides in Abwechslung?

Wenn du hingegen wirklich zeichnen lernen möchtest, also wirklich eine Fähigkeit daraus entwickeln möchtest, solltest du von dieser Art Zeichenbücher Abstand halten. Dafür machen sie falsche Versprechungen. Du lernst richtiges Zeichnen nur durch das Meistern der Zeichengrundlagen, die in den meisten dieser Bücher nicht bzw. unvollständig oder sogar falsch besprochen werden sowie mit entsprechenden Zeiteinsatz deinerseits.

Empfehlungen — Zeichenbücher & mehr

Wenn du dich beim letzten Abschnitt für das »richtige Zeichnen« lernen entschieden hast, möchte ich dir hier abschließend noch einige Wissensquellen vorschlagen, mit denen du diesem Ziel wirklich näher kommst.
Zuerst hier einige Empfehlungen für Zeichenbücher, die wirklich die Zeichengrundlagen vermitteln:

 

In einem vorherigen Beitrag habe ich dir übrigens bereits einen konkreten Leseplan mit Zeichenbüchern und anderen Sachbüchern zusammengestellt, die dich in 12 Monaten durch alle Grundlagen führen und deine künstlerische Entwicklung massiv beschleunigen werden.
Buchempfehlungen für Kreative 2020
Und schließlich solltest du dir neben Büchern auch eine Wissensquelle suchen, bei der du das Zeichnen in Videoform oder live bei einem Profi beobachten kannst. Denn wie beschrieben ist das Zeichnen auch zum großen Teil ein motorischer Skill, der in Bewegung stattfindet. Daher musst du ihn auch unbedingt in direkter Anwendung erleben und eben nicht nur darüber lesen.

 

Vielleicht kannst du es dir schon denken, aber genau dafür habe ich die S-Art School geschaffen. Hier findest du Online-Kurse, die dir die Zeichengrundlagen (und mehr) anhand von praktisch orientierten, gut strukturierten und leicht verständlichen Videos vermitteln – egal, ob du traditionell oder digital zeichnen lernen möchtest.

 

Schau dich deshalb gern einmal auf meiner Kurs-Übersichts-Seite um und wenn dich mehrere Kurse interessieren, kann ich dir auch nur wärmstens die Mitgliedschaft für die S-Art School empfehlen, da du damit sehr viel Geld sparst und gleichzeitig Zugang zu allen Kursen der Plattform für je 1 Jahr erhältst.
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In jedem Fall kann ich dir aber mein kostenloses »Zeichner-Kit« empfehlen, in dem du den perfekten Ausgangspunkt für deine kreative Reise in Form eines Mini-Kurses und Ressourcen wie meinen Brushes, Habit Tracker & mehr erhältst.


Und nun wünsche ich dir viel Spaß beim Zeichnen und Lesen – egal, ob Abzeichnen oder freies Zeichnen 😉


Bleib kreativ und bis bald!
Welches ist dein Lieblings-Zeichenbuch? Und bevorzugst du Abzeichnen oder freies Zeichnen?

 

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